Guarani

Auf der Suche nach dem Land ohne Übel, die Welt der Guarani-Indianer Südamerikas.„Lange haben wir zu den göttlichen Wesen gebetet, damit wir weiter existieren können. Wenn wir nicht mehr auf der Erde leben, wer soll dann das Gleichgewicht zwischen der Erde und dem Himmel aufrecht erhalten? Die ganze Erde würde untergehen".
Im Herzen Südamerikas kämpfen die Guarani-Indianer für ein menschenwürdiges Leben. Die Pai-Tavytera, Waldlandindianer der Guarani-Gruppe, werden beispielsweise von den massiven Abholzungen des subtropischen Regenwaldes seit den 70er Jahren bedroht. Die Pai sehen sich nicht nur vor ein ökologisches Problem gestellt. Für sie bedeutet der Wald das Zentrum ihres kulturellen und spirituellen Lebens. Sie glauben das die Natur beseelt ist. Das abholzen eines Baumes ohne zwingende Notwendigkeit und ohne sein Einverständniss widerspricht den guten Sitten. Diese Art der Übergriffe bedeuten für die Pai die Zerstörung des subtilen Beziehungsnetzes zwischen ihnen und den beseelten Lebewesen der Natur. In ihrer gestörten sozialen Situation sehen viele nur den Ausweg im Suizid.
In dem Siedlungsraum der Ost-Paraguay, den Süden des brasilianischen Staates
Matogrosso und Nord-Argentinien umfasst, leben die drei Guarani-Gruppen Mbya, Pai-Tavystera (Kayowa) und Ava-Chiripa (Nandeva) . Seit der Conquista ist die Anzahl der dort ansässigen Guarani von 1,5 Mio. auf 60.000 Personen geschrumpft. In Ost-Bolivien und Nordwest-Argentinien siedeln die guarani sprechenden Chiriguanos. Die Guarani sehen ihren Kampf nicht auf ihren Lebensraum beschränkt. In ihrem Glauben ist die ganze Welt miteinander verbunden. Die Pai sehen ihre Aufgabe in der beständigen Kommunikation mit den göttlichen Wesen und Kräften.
So wollen sie das Gleichgewicht zwischen den Himmelsebenen und der Erde aufrecht erhalten. Eine Zerstörung des Gleichgewichts würde den Untergang der Erde bedeuten.
Arbeit nach der 1. Südamerika Reise (Paraguay) 1989.

Quelle: Grünberg, Friedel: Auf der Suche nach dem Land ohne Übel, die
Welt der Guarani-Indianer Südamerikas. Wuppertal, Hammer 1995